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Und jetzt auch noch von mir: Ein Blogbeitrag gegen Zensur

Nachdem in den letzten Wochen in der Blogospähre (z.B. von Cedric und Christian) ja schon groß über die geplanten Sperren gegen Kinderpronografie gebloggt wurde hab ich eigentlich gedacht dass ich nicht speziell noch was schreiben muss. Doch diskussionen mit Eltern, Freunden und bekannten in den letzten Tagen haben mir doch gezeigt: Es weis eigentlich noch kaum jemand um was es bei dieser Sperre eigentlich geht. Deshalb jetzt hier ein (vielleicht etwas verspäteter) Blogbeitrag dazu auf den einige per Mail aufmerksam gemacht werden.

Damit das Ganze aber nicht ganz so kompliziert und textlastig zu machen Gibt es hier auch ein paar Youtube-Videos:

Erstmal: Ein Sehr guter Bericht von ZAPP (NDR – öffentlich rechtlich).

Die Stelle die ich am grausamsten finde ist bei circa 3:40. Karl-Theodor zu Guttenberg (unser Wirtschaftsminister über dessen Eignung man da interessantes erfahren kann…) fordert praktisch ein Denkverbot für alle die diese unwirksame Sperre kritisieren.

Dass man mit Kinderpornografie auch anders umgehen kann will dieses Video zeigen:

Einen ausführlichen bericht wo eine solche Aktion wie in diesem Video gezeigt wurde vor kurzem erfolgreich durchgeführt wurde wollte ich hier verlinken – aber ich hab den Link nicht mehr gefunden. Falls jemand nen Hinweis hat – ich bin dankbar!

EDIT3: Habs wieder gefunden – da war’s: http://www.carechild.de/news/politik/internetzensur_carechild_versuch_blamiert_deutsche_politiker_566_1.html

Was ich hier habe ist der Link zu Karten auf denen zu sehen ist wo Server mit Kinderpornoangeboten stehen. Ja, da ist auch Deutschland darunter – neben vielen anderen unserer befreundeten Staaten. Wenn man aktiv gegen Kinderpornografie vorgehen will – sollte man hier ansetzen – denn wenn die Daten von den Servern gelöscht sind, können sie nicht mehr (auch nicht durch umgehung einer Sperre) über das WWW bezogen werden. Gegen eine Verteilung in einem DarkNet, in P2P-Netzwerken oder in Newsgroups oder wäre allerdings auch dann noch möglich (gegen diese Wege würde allerdings auch die geplante Sperre nicht nutzen).

Hier ein fachkundiger Hinweis von unserer Familienministerin Ursula von der Leyen.

So ein versierter schweerpädokrimineller geschulter Internetnutzer bin dann wohl auch ich – denn auch ich weis wie eine solche DNS-Sperre umgehbar ist. Aber jetzt kommt der Hammer: Sobald DU das Video angeschaut hast gehörst auch du zu diesem Kreis dazu – denn hier wird erklärt wie man einen anderen DNS-Server in einem Windows-System einträgt. Deshalb besser nicht anschauen:

Ein Video dass die geplante Sperrung sehr gut im Modell mit Lego-Männchen demonstriert kann man hier sehen:

In diesem Video wird mit Kameras vor dem Stoppschild gezeigt warum ich diese Art von Sperren für extrem gefährlich halte. Seit Anfang 2008 muss jeder Kommunikationsprovider (Internet, Handy, Telefon) mitloggen wer wann wie was kommuniziert (Mehr infos dazu hier). Wenn jetzt jemand zufälligerweise an diesem Stoppschild vorbeiläuft (um in der Sprache des Videos zu bleiben) wird seine IP-Adresse mitgeloggt – und das BKA könnte (so es will) dank der mitgeloggten verbindungsdaten 6 Monate lang nachvollziehen wem der Internetanschluss gehört von dem aus das Stoppschild betrachtet wurde.

Das Schlimme dabei: Eine Unschuldsvermutung (dass man zufälligerweise auf dieses Stoppschild kam) gibt es laut Justiziministerin Brigitte Zypries nicht mehr:

Eine Strafbarkeit liege schon in dem Moment vor, wenn nicht nachgewiesen werden könne, dass es sich um ein Versehen oder eine automatische Weiterleitung gehandelt habe.

(Quelle: MOGIS)

Weist du immer aus welchem Grund du vor ein paar Monaten du auf welchen Link zufälligerweise geklickt hast?

In diesem kleinen experiment wird verdeutlicht wie man auch mal zufälligerweise irgendwann zur falschen (gesperrten) Seite weitergeleitet werden kann: http://mogis.wordpress.com/2009/05/03/ein-kleines-experiment/

EDIT: Was ich Anfangs vergessen hatte in diesen beitrag noch mit aufzunehmen: Die Sperrlisten in denen steht welche Webseiten nicht mehr erreicht werden dürfen Würden von BKA-Mitarbeitern gepflegt werden. Diese könnten – ohne jedliche richterliche Kontrolle dann alles Sperren was ihnen passt und niemand könnte dagegen protestieren – denn niemand würde den Inhalt dieser Dateien kennen!

Wer noch mehr fakten zur Verbreitung von Kinderpornografie lesen will, dem empfehle ich einen Artikel aus der Zeit.

Was kannst du jetzt nachdem du all diese Informationen kennst jetzt Tun? Bis zum 16. Juni wäre eine Möglichkeit die Pedition zu unterzeichnen die das Ziel hat die Einführung einer Sperrung von Kinderpronografischen inhalten wie sie zur Zeit geplant ist zu verhindern. Viel wichtiger wäre allerdinge Personen in deinem umfeld zu informieren – denn dann werden auch in Zukunft bei Meinungsumfragen mehr Personen wissen über was sie sprechen.

EDIT2: Es gibt auch von der C’t (das größten seriöse deutschen Computermagazin) einen guten Kommentag online zu lesen – und über was anderes interessantes bin ich auch noch gestolpert: Die Sperre soll nur für Provider gelten die mehr als 10.000 Kunden haben (Damit die Liste mit den zu sperrenden URLS nicht jeder kleine Admin in die Hand bekommt damit sie nicht so schnell bekannt wird (so wie bisher jede ausländische Sperrliste)). Also könnten konsumenten von Kinderpornografie sogar einfach auf einen kleine Provider umsteigen und wären dadurch vor Verfolgung sicher. Und das soll eine wirksame Sperre sein…

EDIT4: Noch ein interessanter Artikel bei Heise: „Die Abschaltung von Webauftritten mit kinderpornografischen Inhalten dauert nicht länger als die Übermittlung einer Sperrliste“ und „Bei der überwiegenden Mehrheit der Webseiten, darunter einigen aus Deutschland, zeigte sich bei der Überprüfung durch den Provider, dass die Webseiten kein kinderpornografisches, teils überhaupt kein irgendwie beanstandbares Material enthielten – die Webauftritte waren folglich zu Unrecht gesperrt. In Finnland werden zudem auch mehrere inländische Webseiten blockiert, die sich kritisch mit den dortigen Internet-Sperren auseinandersetzen.“

EDIT5: „Auf einer Sperrliste in Finnland landeten kürzlich 1047 Domains – ganze 9 davon enthielten tatsächlich kinderpornografische Inhalte.“ Quelle: NZ